Was nach der ersten Halbzeit nach einer klaren Angelegenheit für den Favoriten aussah, entwickelte sich zu einem echten Pokaldrama. Der Holzwickeder SC steht nach einem nervenaufreibenden 9:8 nach Elfmeterschießen gegen Westfalia Rhynern im Finale des Krombacher Kreispokals. Und dort wartet nun ein Derby, das mehr Brisanz kaum haben könnte: Gegner ist die SG Massen.
Vor 220 Zuschauern im Montanhydraulik Stadion geriet der HSC früh ins Hintertreffen. Rhynern nutzte die Unsicherheiten der Gastgeber konsequent aus und führte zur Pause verdient mit 2:0. Holzwicke wirkte in dieser Phase zu zurückhaltend, fast schon ehrfürchtig gegenüber dem Oberliga Tabellenführer. Genau das sprach Trainer Kurtulus Öztürk später auch offen an. Seine Mannschaft sei zu passiv gewesen und habe zu viel Respekt gezeigt.
Nach dem Seitenwechsel zeigte sich jedoch ein komplett anderes Bild. Mit einer Systemumstellung auf eine Raute brachte der HSC deutlich mehr Kontrolle ins Spiel. Rhynern hatte plötzlich Probleme, die Räume zu bespielen, während Holzwicke zunehmend mutiger wurde. Seydi Keskin brachte seine Mannschaft in der 50. Minute zurück ins Spiel, ehe Luis Weiß kurz vor Schluss den umjubelten Ausgleich erzielte. Spätestens jetzt war klar, dass dieses Spiel noch eine ganz eigene Geschichte schreiben würde.
Im Elfmeterschießen wurde es dann richtig eng. Während alle Schützen des HSC die Nerven behielten und sicher verwandelten, wurde Felix Brall auf Seiten von Rhynern zur tragischen Figur. Sein Fehlschuss entschied letztlich die Partie. Holzwicke gewann das Duell vom Punkt mit 7:6 und machte damit den Finaleinzug perfekt.
Dass der HSC zuletzt 2022 im Kreispokal Finale stand und damals souverän mit 3:0 gewann, dürfte zusätzliche Motivation sein. Allerdings wartet mit der SG Massen nun kein gewöhnlicher Gegner. Das Finale findet am 14. Mai um 17:30 Uhr auf der Sportanlage Fuchshöhle in Hamm statt. Die Ansetzung wirkt aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft beider Teams zunächst unglücklich, ist aber den langfristigen Planungen geschuldet.
Unterm Strich bleibt ein Spiel, das genau das geliefert hat, was man sich von einem Pokalabend erhofft: Emotion, Wendung, Drama. Und ehrlich gesagt zeigt genau dieses Spiel auch eine Schwäche des HSC, die man nicht ignorieren sollte. Wer sich erst nach 45 Minuten traut, Fußball zu spielen, wird im Finale kaum so glimpflich davonkommen. Gegen Massen braucht es von Beginn an eine andere Haltung.

Trainerstimme
HSC Trainer Kurtulus Öztürk brachte es nach dem Spiel auf den Punkt. In der ersten Halbzeit habe seine Mannschaft zu viel Respekt gezeigt. Die klare Ansage in der Kabine sei gewesen, dass man sich nicht abschießen lassen werde. Die Umstellung habe dann Wirkung gezeigt. Dass kein einziges Elfmeterschießen im Vorfeld trainiert wurde und trotzdem alle Schützen trafen, spricht für die mentale Stärke der Mannschaft, ist aber gleichzeitig auch ein Risiko, das man sich nicht dauerhaft leisten sollte.
Ausblick
Jetzt wartet das Derby. Und Derbys folgen bekanntlich eigenen Regeln. Der Sieger qualifiziert sich für die erste Runde des Westfalenpokals. Für den HSC geht es also nicht nur um einen Titel, sondern auch um die Chance, sich überregional zu zeigen. Genau dafür muss die Leistung allerdings über 90 Minuten stimmen, nicht nur über eine starke zweite Halbzeit.























































